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Sicherheitsdienste – eine boomende Branche

Es gibt in Deutschland fast ebenso viele private Sicherheitskräfte wie Polizisten. Von ihnen werden Supermärkte, Fabriken und auch Flüchtlingsheime sowie viele andere Dinge bewacht. Jedoch ist das Ansehen der Branche nicht gerade als gut zu bezeichnen. Der Grund: es sind viele unseriöse Firmen am Markt – doch das soll sich nun ändern.

Muskelkraft und Menschenkenntnis: die Sicherheitskräfte in Hamburg

Mittlerweile sind in Deutschland mehr als 250.000 Mitarbeiter in der Sicherheitsbranche beschäftigt. Das sind fast ebenso viele, wie es an Polizisten gibt, nämlich rund 275.000. Die privaten Wachleute sind an ganz unterschiedlichen Orten im Einsatz. Sie sichern Musik- und Sportveranstaltungen, sitzen an Empfangsdiensten und Pforten, schützen kerntechnische Anlage oder kontrollieren sogar den öffentlichen Nahverkehr und kommen als sogenannte Citystreifen zum Einsatz.

Allerdings verfügt die Branche über einen recht schlechten Ruf. Zuletzt wurde das Ansehen des Berufsstandes vor allem durch die Übergriffe auf Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen beschädigt. Hier reichen die Vorwürfe von rassistischen Beleidigungen über sexuelle Nötigung bis hin zur Körperverletzung.

Die Branchenkenner sind sich ein, dass es noch immer zu viele unseriöse Firmen am Markt gibt. Der stellvertretende Vorsitzende des „Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft“ Jens Müller erklärte gegenüber dem „Deutschlandfunk“, dass sich das ändern muss. Müller fügte dem hinzu, dass man natürlich auch sehen müsse, das man sich von den unseriösen Unternehmen trennt und das diese über die neue Gesetzgebung in Zukunft schaffe. Dafür werden andere Voraussetzungen, andere Barrieren und andere Rahmenbedingungen für die Betreibung eines Sicherheitsdienstes benötigt. Der Stellvertretende Vorsitzende erklärte weiter, dass es heute einfacher sei ein Sicherheitsunternehmen zu gründen, als einen Imbiss an irgendeiner Stelle im Land zu gründen. Eben das dürfe nicht der Fall sein.

Vom Verband werden schärfere Gesetze und Barrieren für die eigene Branche gefordert und das klingt ungewöhnlich. Allerdings wird dies wohl auch eine Reaktion auf das jahrelange unkontrollierte Wachstum der Sicherheitsdienste sein.

Mitarbeiter-Rekrutierung: Wir nehmen jeden …

Lange lief die Rekrutierung der Mitarbeiter für die Sicherheitsdienste frei nach dem Motto: Wir nehmen jeden – Hauptsache ist, dass er eine autoritäre Charakterstruktur aufweist und kräftige Oberarme hat. Zumindest den Berichten von Kennern der Sparte nach. Es schien zudem nicht notwendig die Sicherheitskräfte auszubilden. Selbst eine rechte Gesinnung oder einschlägige Vorstrafen stellten kein Problem dar. Die Bezahlung, die unter oder am Rande des Mindestlohnniveaus lag, war für diese Art der Dienstleistung durchaus üblich.

Besonders deutlich wurden die Probleme der Branche als 2015 und 2016 immer mehr Flüchtlinge ins Land kamen und schnell viele Sicherheitskräfte in den neu geschaffenen Unterkünften benötigt wurden. Viele Unternehmen waren nicht in der Lage, in den Einrichtungen für eine professionelle Sicherheit zu sorgen und eine ruhige Atmosphäre. Zudem waren die Sicherheitskräfte nicht dafür ausgebildet, Konflikte zu lösen und mit den zum Teil traumatisierten Menschen aus den unterschiedlichen Kulturen umzugehen.

Aber dennoch, es schossen immer mehr neue Firmen wie Pilze aus dem Boden, wie Jens Müller berichtet. Seiner Ansicht nach, wahren darunter leider auch sehr viele, die das schnelle Geld gesehen haben. Dazu kamen eben dann auch noch, dass aufgrund der Vielzahl der neuen Überprüfungen die Behörden nicht in der Lage waren, das neue Personal in der normal gewohnten Zeit auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen.

Denn in alle Bundesländern galt grundsätzlich: Es sollen in den Erstaufnahmeeinheiten nur Sicherheitskräfte arbeiten, die ein einwandfreies Führungszeugnis vorweisen können und keiner extremistischen Organisation angehören. Da die Firmen jedoch dringend mehr Personal benötigten, stellten sie einfach das ein, was sie finden konnten. Vonseiten der Behörden war es nicht möglich, mit den Überprüfungen nachzukommen, sodass man sich in einigen Fällen erst nach Monaten von Mitarbeitern trennte, die niemals in einer Flüchtlingsunterkunft zum Einsatz kommen durften.

Die Überprüfung der Bewerber

Mittlerweile gibt es in den Bundesländern ein geregeltes Verfahren um die Bewerber zu überprüfen. So wird jede Neueinstellung in einem Sicherheitsdienst Hamburg, die in einer Flüchtlingseinrichtung zum Einsatz kommen soll, durch den polizeilichen Staatsschutz und durch das Landesamt für Verfassungsschutz durchleuchtet. Im Anschluss erfolgt die Übermittlung der fachlichen Bewertung an die Zentrale der Flüchtlingskoordination.

Allein in Hamburg drängen rund 2.000 Menschen – überwiegend Männer – in die boomende Sicherheitsbranche. Angela Helberg, von der Handelskammer Hamburg erklärt, dass der Bewachungsgewerbe noch immer das Klischee anhaftet, das man als Türsteher vor der Diskothek oder wie auch immer…., eher dass männliche Klientel anspricht. Laut Helberg besteht dieses Klischee auch nicht zu Unrecht.

Vom Arbeitsamt werden die Schulungen finanziert. Insgesamt bestehen diese aus 41 Tagen und in diesen soll das notwendige Fachwissen vermittelt werden. Mit einer Prüfung wird die Schulung beendet, die vor der Handelskammer abgelegt wird. Wer erfolgreich abschließt, der erhält den sogenannten 34a-Schein, also die behördliche Bewachungserlaubnis. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Prüfung besteht auch die Möglichkeit, sich in der Branche selbstständig zu machen.

Fazit ist, dass die Sicherheitsbranche sich mit vielen Herausforderungen beschäftigen muss. Denn heute ist nicht mehr der Wachmann gefragt, der mit einer Taschenlampe „bewaffnet“ als Fußstreife ein Objekt schützt.

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